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Umsetzung eines Risikomanagement Systems

Auf den folgenden Seiten möchte ich die Umsetzung eines Risikomanagementsystems im Bankenumfeld grob skizzieren, und einen Überblick über ein entsprechenedes IT Projekt geben.

Als erstes soll der Begriff eines Risikomanagementsystem erklärt werden:

Ein Risikomanagementsystem hat die Aufgabe alle risikorelevanten Positionen einer Bank abzubilden und zu bewerten, sowie Risikomasse über den Bestand zu rechnen, wie etwa Standardabweichung, VAR, u.a. Um dies zu ermöglichen, müssen wir alle Risikopositionen nach bestimmten Kriterien in unterschiedlichen Portfeuilles gliedern. Die notwendigen Daten müssen aus den Vorsystemen (Handelssystemen) übernommen werden.


Ich möchte darauf hinweisen, dass es sich bei einem Risikomanagementsystem nicht um ein Handelssystem handelt. Das Risikomanagementsystem aggregiert nur alle relevanten Positionen aus Risikosicht.


Technische Abbildung

Technisch gesehen übernimmt ein Risikomanagementsystem im Optimalfall Transaktionen und Stammdaten aus den Vorsystemen und bildet aus den übermittelten Transaktionen risikorelevante Positionen. Der Begriff "Position" bezeichnet den Bestand eines bestimmten Instruments, gegliedert nach definieren positionstrennenden Merkmalen, wie etwa ISIN, Währung u.a.

Hier muss noch weiter differenziert werden, ob es sich bei den übermittelten Instrumenten, um börsengehandelte Standardinstrumente handelt, oder ob dem Instrument eine Ausgestalltung in Form eines Vertrags vorliegt, wie etwa OTC gehandelte Derivate. In diesem Fall bildet jeder Vertrag (Derivat) eine eigene Position, beispielsweise ein Währungs Swap oder eine FX Option und wird direkt aus einer Eröffnungstransaktion gebildet. Diese Position bleibt für die Laufzeit des Instruments, unverändert bestehen, wenn es sich um eine "hold to maturity" Position handelt. Bei Standardinstrumenten wird eine Position aus der Aggregation über die Transaktionen gebildet.


Komplexe Strukturen

Die Herausforderung an ein Risikomanagementsystem ist die korrekte Abbildung und Bewertung der übernommenen Instrumente. Vor allem die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnenen strukturierten Instrumente, vor allem Strukturen bei Anleihen, müssen exakt abgebildet und bewertet werden können. Vor allem die automatisierte Übernahme der Stammdaten bei strukturierten Instrumenten ist von hoher Komplexität geprägt.

Hier ist anzumerken, dass die Komplexität eines IT Projekts davon abhängig ist, aus welchen Instrumenten der Bestand einer Bank aufgebaut ist. Je mehr standardisierte Instrumente im Gesamtbestand vorhanden sind, desto geringer ist die Komplexität bei der Übernahme und Bewertung der Instrumente.


Bewertung und Datenanbindung

Die aus den Vorsystemen übernommenen Positionen müssen aber auch bewertet werden. Dazu sind Marktdaten, aktuelle Geldmarktkurven, Zinskurven etc. notwendig. Diese benötigten Daten werden von Kursversorgungssystemen, wie Reuters oder Bloomberg, zur Verfügung gestellt. Das heißt für unser Risikomanagementsystem, dass eine Anbindung an diese Systeme notwendig ist.

Eine tagesgenaue Bewertung erfordert eine kontinuierliche Anlieferung des Systems mit aktuellen Marktwerten. Vor allem bei umfangreichen marktgehandelten Beständen ist die Datenanforderung enorm. Hier ist auch auf gesetzliche Anforderungen Bedacht zu nehmen. Oftmals ist eine Versorgung mit Tagesendkursen gesetzlich ausreichend.

Vom Datenlieferanten müssen beispielsweise die folgenden Daten übernommen werden